Austausch und Perspektiven

Regionalgruppe Burzenland im HOG-Verband tagte zum 41. Mal

Die 41. Burzenländer Arbeitstagung fand vom 17. bis 19. April in Crailsheim-Westgartshausen statt. 60 Nachbarmütter und -väter, Orts- und Jugendvertreter fanden sich ein, um über ihre Erfahrungen und die Zukunft zu reflektieren. Besonders erfreulich war, dass viele das erste Mal dabei waren. Dies zeigt, dass das Interesse an der Gemeinschaft weiterhin wächst und sich die junge Generation zunehmend auch einbringen möchte.

Die Begrüßung und Eröffnung erfolgte durch den Regionalgruppenleiter Manfred Binder mit einem Zitat aus Michael Alberts „Der Birnbaum“: „Nur wenn der Baum von innen stirbt, dann grünt er nimmer wieder.“ Binder betonte, dass unsere Gemeinschaft stark verwurzelt, aber gleichzeitig offen für das Neue ist, welches unsere schnelllebige Zeit erfordert. Er lenkte den Fokus auf die Jugend, die das Weiterbestehen unseres siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaftslebens, unserer Traditionen und unseres kulturellen Erbes auch in der Zukunft sichern soll.

Thomas Schneider, Vorsitzender des HOG-Verbands, hatte ein Grußwort übermittelt, das von seinem Stellvertreter Horst Müller (Kronstadt) vorgetragen wurde. Siegbert Bruss (Brenndorf) wies in seinem schriftlichen Grußwort auf den im vorigen Jahr eingerichteten Online-Speicher der Regionalgruppe Burzenland im Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V. hin. Die Ortsvertreter können dort u.a. alle Heimatblätter der Heimatortsgemeinschaften, die Neue Kronstädter Zeitung und die Kirchlichen Blätter lesen und herunterladen. Die Neue Kronstädter Zeitung war durch deren Chefredakteur, Detlef Schuller (Kronstadt), vertreten. Die Zeitung erscheint viermal jährlich, zum Preis von 25 Euro. Jürgen Schnabel, Vorsitzender von Radio Siebenbürgen e.V., hat in der Regionalgruppe bereits mehrere Projekte angestoßen und aktiv begleitet. Mit seinem Engagement trägt er wesentlich zur Vernetzung und Sichtbarkeit der Gemeinschaft bei. Er erklärte sich bereit, künftige Veranstaltungen über den Radiosender anzukündigen und ihnen so eine breitere Öffentlichkeit zu verschaffen.

Auf großes Interesse stießen die Berichte der Vorsitzenden über ihre Heimatgemeinden in Siebenbürgen und die Heimatortsgemeinschaften in Deutschland. Sowohl in der alten Heimat als auch in Deutschland wurden Treffen organisiert, wobei Ski- und Wanderwochenenden zunehmend an Beliebtheit gewinnen. Für ihr besonderes Engagement wurden bei ihren HOG-Treffen Melitta Bartesch (Rosenau) und Krimhild Bonfert (Schirkanyen) mit der goldenen Ehrennadel des HOG-Verbands ausgezeichnet. Die Zahl der Arbeitscamps in Siebenbürgen wächst weiter, und auch die Pflege der Friedhöfe wird nach wie vor finanziell gefördert. Die HOG Rothbach erinnerte an ein trauriges Ereignis: Vor zehn Jahren war der Kirchenturm in Rothbach eingestürzt. Als neuer Pfarrer im Burzenland wurde Maximilian Gerwald Braisch eingeführt, er übernahm die Pfarrstellen in den Kirchengemeinden Bartholomä in Kronstadt sowie Honigberg. Inzwischen haben fünf in Deutschland lebende Kuratoren ihre Tätigkeit in den jeweiligen Heimatgemeinden aufgenommen. Die Berichte aus den HOGs und der gesamte Tagungsverlauf werden, wie in den vergangenen Jahren, in einem Protokollheft zusammengefasst.

In seinem Bericht blickte Regionalgruppenleiter Manfred Binder auf das vergangene Jahr mit seinen zahlreichen Terminen zurück, wobei er nach Möglichkeit viele Einladungen wahrgenommen hat. Ein nachdenklicher Moment entstand beim Gedenken an die Verstorbenen, unter ihnen Klaus Foof (Nußbach), der viele Jahre als Kassier der Regionalgruppe tätig gewesen war.

Daraufhin präsentierte die kommissarische Kassiererin Krimhild Bonfert einen ausgeglichenen Kassenbericht, der von den Kassenprüfern Harald Zelgy (Nußbach) und Harald Schmidt (Tartlau) geprüft und ohne Beanstandungen bestätigt wurde.

Unter dem Punkt „HOG Weidenbach – und wie geht’s weiter?“ berichtete der Vorsitzende Wieland Schmidts, dass es in der letzten Mitgliederversammlung nicht gelungen sei, einen neuen Vorstand zu wählen. Daher erfolgt vorerst die Auflösung des eingetragenen Vereins und eine Neuorientierung der HOG Weidenbach.

Klaus Guess (Wolkendorf) widmete sich in seinem Beitrag der „Jugendarbeit in der Regionalgruppe Burzenland“ und stellte dabei deren Bedeutung heraus: „Die Jugendarbeit ist die Lebensversicherung unserer Heimatortsgemeinschaften“, betonte er. Das für Ende Juni 2026 in Waldstetten geplante Burzenländer Jugendtreffen wurde leider mangels Interesse abgesagt. Anwesend waren die Jugendvertreter Isabel Simonis (Petersberg, zugleich stellvertretende HOG-Vorsitzende), Kevin Hermannstädter (Wolkendorf), Julian Konnerth (Brenndorf) und Hugo Schullerus (Neustadt). Die Jugendvertreter nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum Austausch. Sie waren sich einig, dass die Jugendarbeit auch künftig eine zentrale Rolle innerhalb der Gemeinschaft spielen sollte. Zur Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) wollen sie möglichst bald Kontakt aufnehmen, um gemeinsame Projekte zu initiieren.

Spürbar war auch die Vorfreude auf den Heimattag in Dinkelsbühl 2026, bei dem die Burzenländer Gruppe von der „Martin Thies“ Projektblaskapelle begleitet wird. Rainer Lehni (Zeiden) stellte das Programm zum Heimattag, der vom 22. bis zum 25. Mai in Dinkelsbühl unter dem Motto „Generationen verbinden – Perspektiven schaffen“ stattfindet, vor.

Ein besonderes Interesse weckte das Referat „Ausgewanderte versus Daheimgebliebene – schwieriges Verhältnis oder fruchtbare Zusammenarbeit?“ von Hans Königes. Der langjährige Journalist in München ist – nach seiner Verrentung – seit dem 1. Februar 2025 neuer Verantwortlicher für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR). Er erzählte fesselnd von seinem ersten Jahr in Hermannstadt und löste mit seinen Erlebnissen eine lebhafte Diskussion aus.

Dr. Ingrid Schiel, Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts und Leiterin der Siebenbürgischen Bibliothek mit Archiv in Gundelsheim, referierte zum Thema „Den „Nachlass einer HOG sachgerecht erfassen, bewerten und archivieren – Standards und Herausforderungen“. Sie wies darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren viel Material in Deutschland angesammelt habe, welches für kommende Generationen erhalten werden sollte. Ihre Ausführungen enthielten zahlreiche wertvolle praktische Hinweise, die mit großem Interesse aufgenommen wurden und viele Fragen aufkommen ließen. Ingrid Schiel erklärte sich bereit, bei der Archivarbeit der HOGs behilflich zu sein.

Einen Vortrag zum Thema „Leichenwagen im Burzenland“ hielt Udo Buhn (Zeiden). In einer eindrucksvollen Präsentation – für die ihm die Nachbarmütter und -väter Bildmaterial zur Verfügung gestellt hatten – schilderte er die Geschichte des Leichenwagens und Leichenkarrens, die für den letzten Weg der Verstorbenen genutzt wurden.

Rainer Lehni bot eine Rückschau auf das 35. Sachsentreffen, das vom 19. bis 20. September 2025 in Zeiden stattfand und an dem auch einige der Anwesenden teilgenommen hatten. Ursprünglich für die vor Ort lebende Bevölkerung konzipiert, gewinnen die Sachsentreffen in Siebenbürgen immer mehr einen grenzüberschreitenden Charakter.

Der zweite Sonntag nach Ostern begann mit einer Morgenandacht, die Martin von Hochmeister (Bukarest) gestaltete. In seiner Ansprache zog er einen Vergleich zum guten Hirten: So wie Jesus seine Schafe behütet, übernehmen auch die HOG-Vertreter Verantwortung für ihre Landsleute – zum Wohl der gesamten Gemeinschaft.

Zum Abschluss richtete die stellvertretende Regionalgruppenleiterin Doris Martini ihren Dank an alle Beteiligten: für das köstliche Mittagsbüfett, an Anca Thiess (Brenndorf) für die Kuchenspende, an Karl-Heinz Brenndörfer, Ehrenvorsitzender der Regionalgruppe Burzenland, und sein Team für den vor Ort gebackenen Baumstriezel sowie an Renate und Helfried Götz (Neustadt) für den „Fleken“. Ebenso galt ihr Dank den Spendern: der HOG Heldsdorf für die Zutaten des Baumstriezels und der HOG Brenndorf für die Übernahme der Kosten des „Fleken“.

Nach einem abschließenden Resümee endete die 41. Burzenländer Arbeitstagung traditionell mit dem gemeinsamen Singen des Burzenland-Liedes. Der Austausch zwischen erfahrenen Mitgliedern und neuen Teilnehmern verlieh der Tagung eine lebendige Atmosphäre. In Gesprächen und Diskussionsrunden wurden Ideen gesammelt, Projekte vorgestellt und Möglichkeiten erörtert, wie das Gemeinschaftsleben auch künftig aktiv gestaltet werden kann. Zwei Termine 2027: Das achte Burzenländer Musikantentreffen findet vom 5.–7. März in der Schranne in Dinkelsbühl statt. Die nächste Arbeitstagung der Regionalgruppe Burzenland im HOG-Verband ist für den 9.–11. April wieder in Crailsheim geplant.

Ingeborg Binder

  • Burzenländer Ortsvertreter und Referenten bei der 41. Arbeitstagung in Crailsheim-Westgartshausen. Foto: privat